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Falsche Wimpern, Botox, Haarverpflanzung, Microneedling, Behandlungen mit Eigenfett – es gibt schon einige Schönheits-Behandlungen, die ganz schön verrückt sind, wenn wir sie mal genauer überdenken. Doch wagen wir erstmal einen Blick in die Vergangenheit und werfen einen Blick auf die bizarren Rituale, denen sich unsere Vorfahren zum Wohle der Schönheit unterworfen haben, stockt uns der Atem wahrscheinlich erst recht. Seid ihr neugierig auf ein bisschen Beauty-Geschichte? Dann lest hier im Blogbeitrag alles über kosmetisches Quecksilber, Enthaarungs-Röntgenstrahlen und allerlei Substanzen und Tricks, mit denen unsere Vorfahren ihre Schönheit hervorhoben.

Schmollmund dank Insekten-Sekret – definierte Augen dank Blei

bloodylipsAmeisen, Blut von Käfern und etwas Bienenwachs – aus diesen drei Zutaten bestand Überlieferungen nach das Lippenserum, mit dem schon die Beauty-Queen schlechthin, Kleopatra, ihre Lippen praller erschienen ließ. Für eine verjüngende Gesichtsmaske wurde sie noch erfinderischer: Dafür mischte sie gern Krokodilkot mit etwas Eselsmilch – das Ergebnis war ein strahlender Teint. Und ihre stundenlangen Bäder in Milch und Rosenblüten sind ja ohnehin berühmt. Auch Ovid, einer der wichtigsten Dichter der römischen Antike, lässt uns in seinen Dichtungen angesichts noch merkwürdigerer Schönheitsbehandlungen erschaudern – er beschreibt ebenso Gesichtsmasken aus Tierurin und –kot, auch Plazenta galt demnach als Beauty-Behandlung fürs Gesicht. Zermahlenes Hirschgeweih-Pulver ist demgegenüber ja geradezu harmlos. Auch in Sachen Rouge war man einfallsreich: Eine Mischung aus Ton und zerstoßenen Käfern gab den Wangen eine rosige Farbe.

Kajal war nicht nur aus dekorativen Gründen ein gefragtes Produkt, die schwarzen Linien um die Augen sollten auch Insekten fernhalten und in Ägypten dem Sonnengott Ra Tribut zollen, für den das Auge ein Symbol war. Den Khol Kajal, der damals als schwarzes Pulver in Schälchen aus Alabaster gelagert wurde, trug man mit einem feinen Stäbchen aus Elfenbein oder Holz auf. Meist bestand der Kajal allerdings aus gefährlichen Substanzen, etwa Blei, Mangan oder Eisen.

Augenringe ganz einfach kaschieren – mit Quecksilber

Die Nachfrage nach Make up, das Unreinheiten, Augenringe und Unebenheiten im Teint kaschiert, ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Schon lange davor suchten Frauen nach Wegen, um ihr Hautbild möglichst makellos erscheinen zu lassen. Dabei griffen sie manchmal zu Methoden, die, wie wir heute wissen, recht gefährlich für die Gesundheit waren. Vorreiter in Sachen gefährliche Kosmetik war natürlich der Adel, denn die Königinnen, Herzoginnen und Prinzessinnen waren die Super Promis ihrer Zeit. Daher galt zum Beispiel Queen Elizabeth I. auch als absolute Trendsetterin und als Vorbild in Sachen Schönheit und Stil. Besonders in war im Gegensatz zu heute ein blasser Teint. Dieses Ideal sieht man auch in ihrem Krönungsportrait reflektiert:

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Die mächtige Königin war so von ihrer Schönheit besessen, dass sie sogar Gesetze erließ, die verboten, unvorteilhafte Bilder und Darstellungen von ihr zu verbreiten. Auf den vielen Gemälden, die von ihr existieren, erstrahlt ihr Teint makellos und eben, frei von Linien und Fältchen. Rosig und voller Anmut blickt ihr Angesicht seinen Betrachter an. Doch die Realität muss anders ausgesehen haben. Das viele Make up, das Elizabeth I. gern und häufig trug, enthielt in der Regel Blei, was die Haut nicht gerade besserte. Auch Quecksilber, um dessen Giftigkeit wir heute wissen, war nicht selten in den vormodernen Beautyprodukten enthalten. Ganz zu schweigen von den Pockennarben, die nach einer entsprechenden Erkrankung auf ihrem Gesicht zurückblieben, müssen ihr ein Dorn im Auge gewesen sein und ihren Make up Konsum noch weiter erhöht haben – und damit auch ihre Haut weiter zerstört.

Doch schon im alten Griechenland fielen viele Frauen dem gefährlichen Metall Blei zum Opfer: Sie mischten Olivenöl mit weißem Blei, um ihren Teint aufzuhellen. So wurden sie durch die fortwährende schleichende Bleivergiftung langsam zum Tode verurteilt. Alles im Dienste der Schönheit. Heute werden Schwermetallbelastungen in der Kosmetik zum Glück stark kontrolliert und geprüft, damit uns so ein gesundheitliches Risiko, wie das, denen die Frauen sich damals aussetzten, erspart bleibt.

Gefährliche Epilation mit Röntgenstrahlen

enthaarungMittlerweile haben Historikerinnen allerlei Bücher und Aufsätze über historische Schönheits-Tricks geschrieben, in denen die lustigen und teilweise sehr gefährlichen Bräuche versammelt sind, denen Frauen sich in der Vergangenheit hingaben, um ihre Schönheit zu boosten. So tropfte man sich zum Beispiel Saft aus der hochgradig giftigen schwarzen Tollkirsche in die Augen, um die Pupillen auf Dauer zu vergrößern. Schön? Damals dachte man ja.

Methoden zur permanenten Haarentfernung stehen uns heute ja viele zur Verfügung. Vom allseits bekannten Waxing und Sugaring bis hin zur Entfernung mit dem Laser. Noch bis in die 1940er Jahre hinein boten zahlreiche Beauty-Salons, vor allem in den USA, eine ganz andere Methode zur Haarentfernung an: Röntgenstrahlung. Obwohl man längst wusste, wie gefährlich die Strahlung ist, die Krebs auslösen kann, wurde das lukrative Geschäft noch aufrechterhalten und die Risiken kleingeredet. Dabei ließen die Frauen sich in regelmäßigen Abstanden mit starken Röntgenstrahlen behandeln. Durch diese Methode fielen die unerwünschten Haare dauerhaft aus. Allerdings nicht ohne Nebenwirkungen: Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wussten Wissenschaftler, dass die Strahlen nicht nur tief in den menschlichen Körper blicken lassen, sondern auch Verbrennungen, Geschwüre und Gewebeschwund hervorrufen können. So forderte die einst so populäre Methode der Haarentfernung viele Todesopfer, die Hautkrebs und Tumore entwickelten.

Doch das ist noch nicht die Spitze des Eisbergs, bevor man um die gefährlichen Nebenwirkungen des radioaktiven Elements Radium wusste, mischte man es in Hautcremes und Masken und pries seine kraftvolle Anti-Aging-Wirkung an.

Zum Schluss wird es schmerzhaft: Wimpern annähen?

Von falschen Wimpern haben wir alle schon gehört. Die praktischen Fertig-Wimpern werden mit einem hautfreundlichen Kleber über die eigenen geklebt und verbleiben dort für einen Tag. Doch diese kurzweilige Wimpernverdichtung war Frauen im ausgehenden 19. Jahrhundert nicht permanent genug. In Form einer Schlaufe wurden einzelne Haare am Augenlid festgenäht. Erfunden wurde diese grausame Praxis in Paris, wo sie hoffentlich nicht allzu populär war, obwohl sie zur Zeit ihrer Erfindung viel in den Medien diskutiert wurde. Um die Methode erträglich zu machen, wurde den Patientinnen Kokain verabreicht, das den Schmerz trübte.