10 Tipps für die Suche nach dem Lieblingsduft

©Meo Fusciuni

Eine Unbekannte betritt im letzten Moment den Aufzug, kurz bevor die Tür sich schließt. Sie wird begleitet von einer zarten hypnotischen Duftwolke die einen direkt in Ihren Bann zieht. Sie wollen den atemberaubenden Duft erfragen, doch es hat Ihnen die Sprache verschlagen. Wer würde nicht gerne ein Parfum finden, das eine solch magische Wirkung auf andere ausübt?

Der Parfumkritiker Luca Turin vergleicht ein komplexes, facettenreiches Parfum mit einer Flaschenpost. Doch wie entschlüsselt man die versteckte Botschaft und für wen sie bestimmt ist?

Mit diesen 10 Tipps findest du dich im Duft- Labyrinth zurecht:

  1. Die Landkarte

Zu empfehlen ist Michael Edwards Website „Fragrances of the World“ mit zahlreichen Vorschlägen, Informationen und Querverweisen auf ähnlich zusammengesetzte Parfums. So wird man oftmals auf unbekanntere Düfte aufmerksam, mit denen man aus der Masse der Fließbanddüfte heraussticht und wunderbar originelle Nischendüfte entdeckt.

  1. Die Zeit

Der Duft einer Frau sagt oftmals mehr über ihre Persönlichkeit aus, als einfache Worte es könnten. Umso wichtiger ist es sich mit viel Geduld und Zeit im Gepäck auf die Reise durch die Parfumwelt zu begeben.

Man unterscheidet bei der Entfaltung eines Duftes zwischen drei Phasen, die je nach Parfum lauter oder leiser sein können. Das erste Schnuppern eröffnet einem die dominante Kopfnote, bis sich in der zweiten Phase die Herznote als Kern des Parfums offenbart. Im Abklang bekommt man einen Einblick in die Basisnote des Duftes.

Für die genaue Unterscheidung der einzelnen Phasen ist es unerlässlich Pausen zu machen. Wer einmal am Morgen, einmal am Mittag und zum Schluss am Abend ein Parfum mit der Nase erkundet, kann sich in der Zwischenzeit der Geschichte hingeben, die der Duft vor dem inneren Auge malt.

Kleiner Tipp am Rande: Am frühen Morgen ist der Geruchssinn am ausgeprägtesten.

  1. Der Test

Ist der Teststreifen mit dem Namen des Duftes oder der Marke versehen, kann er neben Anderen Streifen in einem Buch oder Magazin aufbewahrt werden, da die Seiten die Düfte voneinander abschirmen.

Ich empfehle jedoch das Besprühen der Haut oder der Haare, da das Parfum sich auf dem Körper anders entwickelt und oftmals erst in Verbindung mit dem charakteristischen Eigengeruch ein einzigartiges Duft- Bouquet bildet. Mehr dazu in Tipp 6.

  1. Weniger ist Mehr

Es wird empfohlen nicht mehr als 6 Düfte am Tag zu testen, um die Nase nicht zu überfordern. Je öfter und länger man etwas riecht, desto mehr geht die Intensität verloren, was zu einer verfälschten Geruchswahrnehmung führen kann. Das erklärt so manchen bösen Blick der Sitznachbarn beim Verspeisen des Knoblauchbaguettes im Zug.

  1. Über die eigene Nasenspitze hinaus

Deshalb kann es nicht schaden manchmal eine andere Riechperspektive einzunehmen. Sie möchten wissen wie andere Sie riechen? Sprühen Sie eine kleine Parfumwolke in einen Raum und gehen Sie dann einen Kaffee trinken, die Katze streicheln oder Holz hacken. Wenn Sie nach 5 Minuten zurückkehren riechen Sie bereits aus der Perspektive der Menschen, die Sie täglich mit dem Schweif Ihres Parfums streifen.

  1. Hautkontakt

Kann der Hauttyp wirklich die Wirkung eines Parfums beeinflussen? Wenn ein Parfum auf Ihnen ganz anders riecht als erhofft, kann es tatsächlich an Ihrem Hauttyp liegen. Deswegen kann es nicht schaden ihn als Faktor bei der Suche mit einzubeziehen. Menschen mit trockener Haut können mutig zu starken, extravaganten und orientalischen Düften greifen. Menschen mit öliger Haut sollten da jedoch vorsichtiger sein, da der Duft sich auf deren Haut stärker und oftmals süßlicher entfaltet. Der Grund dafür sind die natürlichen Hautfette, die für die Langlebigkeit eines Duftes auf der Haut sorgen. Abgesehen von dem damit verbundenen Vorteil, kann ein Parfum dadurch dennoch zu intensiv riechen. Entweder Sie sprühen es dann lieber in die Haare oder auf Ihre Kleidung oder Sie greifen zu schwerelosen, blumigen Düften.

  1. Die Zeitlosen

Rieche Sie sich durch die Duftklassiker um eine feine Nase für die Kunstwerke unter den Parfums zu entwickeln. Hier ein paar Empfehlungen zum Riechen und Erleben:

Schwarzlose Berlin – Trance:

Der fesselnde Duft, entfaltet sich wie die türkische Rose, nach der er duftet. Das berauschende Zusammenspiel der gegensätzlichen Elemente wirkt tatsächlich beinahe hypnotisierend. Weiblichkeit und Männlichkeit, Unschuld und Verruchtheit vermischen sich genauso wie Modernität und Klassik in der Hauptstadt, welche den zweideutigen Duft hervorgebracht hat.
Also bitte nicht durch den süßen Einstieg abschrecken lassen und den fesselnden Kontrast genießen, der sich entfaltet.

Xerjoff – Bouquet Ideale:

Der scharlachrote weiche Cashmere Vorhang fällt und die Bühne füllt sich mit Artisten und Schaustellern, welche sogleich Papyrus ausrollen. Eine exotische und lebhafte Vorstellung bietet sich Augen und vor allem Nase.
Feuerspucker, Tellerdreher, Magier – bombastisch.
Süß und würzig schwingt sich die Mischung aus Zimt und Muskat akrobatisch auf die Bühne – mit gewaltigem Schwung.
Die Tabaknote springt das Publikum aus einem Topf Vanillepudding an.
Ich fühle mich köstlich unterhalten, applaudiere und rufe „Zugabe!“

Evody – Tubéreuse Manifeste:

Ein surrealistischer Duft, der eine Bewegung widerspiegelt, welche sich gegen jegliche Konvention richtet. Besondere Beachtung wurde den „Schattenseiten“ geschenkt: bei Freud das Es, also den Trieben, dem Unbewussten, dem Traumhaften und Phantastischen. Die Tuberose als narkotisch berauschende Nachtblume reiht sich hier selbstverständlich gut ein. Bei dieser Neuinterpretation wird mit den warmen als auch kalten Seiten der Tuberose gespielt. Umgeben von einem Hauch Vanille-Rum und Leder provoziert und verführt der Duft gleichzeitig.

Ciro – L’Heure Romantique:

Ein stiller blumiger Duft? Der Überraschungseffekt bei L’Heure Romantique entsteht durch die frischen aber banale Veilchen und Maiglöckchen als Hauptakteure und der dominanten Grapefruit und der lauten Vanille in der Nebenrolle. Der köstliche Duft mit einem Hauch Moschus erinnert an den verbotenen Genuss der zweiten Praline: Sie schmilzt im Mund wie die Hexe im Ofen.

Annick Goutal – Eau d´Hadrien Eau de Toilette:

Suchtgefahr besteht bei diesem unverschämt charmanten Duft. Die Zitrone knabbert einem zu Beginn frech Nase, lächelt dann jedoch versöhnlich und wird weicher, leiser und milder. Man könnte fast meinen, dass das Schnuppern verjüngend wirkt. Mit dem Song „Lemontree“ der mir plötzlich in den Ohren klingt sehe ich etliche Zitronenbäume. Dazu: frisch gepresster Grapefruit- und Mandarinensaft. Meine Hände duften noch Stunden lang danach. Belebt geht es dennoch weiter. Vielleicht noch ein Dessert? Eine luftig- lockere Creme, nicht zu süß? Oder war es etwa die Wolke, die über den Kronen der Zitronenbäume hängenblieb und ein paar heiße Strahlen der Sonne zu verbergen versucht? Schatten spendend lässt sie bei aller munteren Lebensfreude eine Ahnung von Melancholie zu. Ungesüßte saftige Frische zieht sich durch den Tag.

Die Top 5 Damendüfte

  • Xerjoff - Bouquet Ideale

    Xerjoff - Bouquet Ideale

    Die Duftkomposition: Kopfnote: Zimt, Muskat Herznote: Guajakholz, Papyrus, Zeder- Sandelholz Basisnote: Tabakblüte, Vanille, Labdanum, Cumarin, Moschus Mehr von Xerjoff     Parfumeur: Jacques Flori

  • Annick Goutal - Eau d´Hadrien

    Annick Goutal - Eau d´Hadrien

    Die Duftkomposition: Kopfnote: Zypresse, Grapefruit, Zitrone, sizilianische Zitrone Herznote: Zitronatzitrone, Mandarinorange Basisnote: Aldehyde und Ylang-Ylang Mehr von Annick Goutal     Parfumeur: Francis Camail     Annick Goutal im Blog

  • Evody - Tubéreuse Manifeste

    Evody - Tubéreuse Manifeste

    Die Duftkomposition: Duftfamilie: Blumig Kopfnote: Rum, Kamille, grüne Noten Herznote: Beifus, Rose, Tuberose, Iris Basisnote: Ladanharz, Vanille, animalische Noten, Leder Mehr von Evody     Parfumeur: Cecile Zarokian     Collection Galerie im Blog

  • Ciro - L’Heure Romantique

    Ciro - L’Heure Romantique

    Die Duftkomposition: Kopfnote: Bulgarische Damaszener-Rose, Orchidee, Pink Grapefruit, Wassermelone Herznote: Maiglöckchen, Vetiver, Iris, Alpenveilchen Basisnote: Weißer Moschus, Bourbon-Vanille Mehr von Ciro Parfums     Parfumeur: Alexander Streek     Ciro Parfums im Blog

  • Schwarzlose Berlin - Trance

    Schwarzlose Berlin - Trance

    Die Duftkomposition: Kopfnote: Türkische Rose, Rose Absolue  Herznote: Kristallisierte Rosenblüten, Gewürze, Blätter Basisnote: Absinth, Wermut, Ledernote, Zistrose, Balsamharze Mehr von Schwarzlose Berlin     Parfumeur: Veronique Nyberg      Schwarzlose im Blog

  1. Cool bleiben

Wer gerne auf Floh- oder Antikmärkten auf Parfumsuche geht sollte beachten: Nicht nur die Lebensmittel halten im Kühlschrank länger. Laut Chemikerin Ni’Kita Wilson sollten sie ihre Parfums kühl lagern, da die kalten Temperaturen den Trennprozess von Schlüsselbestandteilen der Düfte verlangsamen. Was Wenige wissen: Auch Düfte können schlecht werden. Dies ist jedoch kein Grund zum Verzweifeln, da es zahlreiche Techniken gibt einen sehr alten Duft „wiederzubeleben“.

  1. Männersache?

Wenn man in Stereotypen denkt, hat eine Frau süß, blumig oder nach Käsekuchen zu riechen. Der Mann hingegen würzig, nach Holz, Schweiß und Stahl. Denkt man jedoch über dieses Schema hinaus, muss man erkennen, dass ein guter Duft Unisex ist. Viele Frauen bevorzugen herbe Düfte mit Citrus- oder Gewürznoten und wollen sich nicht durch Geschlechtergrenzen in der Wahl ihres Parfums einschränken lassen. Die Labels lernen dazu, sodass Dolce & Gabbana mit der Unisex „Anthology -Kollektion“ den ersten Schritt macht.

Der Vorteil: Maskuline Duftnoten auf der Haut einer Frau ergeben eine einzigartige Komposition, die ein Parfum ganz anders wirken lässt als auf einer Frau. Also seien sie mutig und spielen sie mit den Kontrasten!


Am besten eignen sich folgende Herrendüfte:

Jacques Fath – Green Water:

Green Water stellt seinen exquisiten Geschmack nicht zur Schau, denn die Komposition ist ausdrücklich bescheiden im positiven Sinne. Kein mysteriöses und geheimnisvolles Brodeln im Untergrund, kein Niesen erregendes Holz, keine lähmende überladene Fülle, kein Aufschreien einer einsamen Chemikalie. Nein: Wasser, kaltes klares Wasser, welches dem Duft der Zitronen die Säure abnimmt, sie sanft glättet und erfrischend macht. Die bittere Helligkeit der Minze lässt uns gemildert die ersehnte Abkühlung erfahren.
Als würde der kühle Wind endlich durch den Garten wehen …

Isabey L´ Ambre de Carthage:

Nein, wir befinden uns keineswegs auf dem lauten, mit Gewürzen, und rauchig süßlichen Duftschwaden überfüllten Bazar, sondern in einer schattigen und kühlen Oase, die nach einem langen Weg durch die Wüste Erholung und Ruhe spendet.
Ein unaufdringlich süßer und frischer Auftritt mit einem wässrigen Jasmintee in der Kopfnote, welche sich nur langsam verabschiedet. Die Herznote hingegen teilen sich brüderlich Labdanum und Patchouli. Der Übergang zur Basisnote erinnert an den sich anbahnenden Wüstenabend der eine angenehme Kühle in sich birgt. Gewürze oder eine klassische „maskuline Note“ wird man in dieser Oase vergeblich suchen.

Lorenzo Villoresi – Theseus:

Der griechische Held in seiner harten, metallisch glänzenden Rüstung. Dahinter: Ein warmer Körper, ein vor Aufregung und Anstrengung wild klopfendes Herz. Der grüne Duft weckt Erinnerungen an Unterholz begleitet von einer metallischen, kalten Note, die in eher harzigen und ledrigen Akkorden mündet. Dass die Sache nicht in Breite und Opulenz umschlägt, lässt sich auf eine ätherische Seite zurückführen, die ein wenig an Minze oder Eukalyptus erinnert.
In seiner inneren Ambivalenz liegt der besondere Reiz von Theseus. Trauen Sie sich?

Lubin – Vetiver:

Hell geht die Sonne über dem Meer auf mit warmen aber frischen Zitrus- und Nerolinoten. Eine angenehm unaufdringliche und würzige Mischung mit dezenter „Schärfe“.
Weit entfernt ein Matrose, der seine Pfeife nur mit bestem Tabak raucht, dessen Geruch mich leise und sanft erreicht. Der leichte, schattige Duft drängt sich durch eine Schönwetterwolke – bis zu Ihnen.

Linari – Vista Sul Mare:
Verführerisch wie der verträumte Blick über das tiefblaue Meer vereinen sich Zitrusnoten und italienischer Mandarine mit einem kalten ozonischen Akkord. Den Rahmen bildet ein Blumenstrauß aus Maiglöckchen und Wildrosen mit einem Hauch von Nelken und Pfeffer. Die elegante Basis bilden Patschuli, weißer Moschus und Amber.

Die Top 5 Herrendüfte

  • Lorenzo Villoresi - Theseus

    Lorenzo Villoresi - Theseus

    Die Duftkomposition: Kopfnote: Zitrusfrüchte, Bergamotte, Muskatellersalbei, Pfeffer, Muskat, blumige Noten Herznote: Vetiver, Iris, Jasmin, französisches Ladanharz, Patschuli, exotische Hölzer Basisnote: Moschus, Ambra, Tonkabohne, Agarholz, Leder, Vetiver, Patschuli Mehr von Lorenzo Villoresi     Lorenzo Villoresi im Blog

  • Linari - Vista Sul Mare

    Linari - Vista Sul Mare

    Die Duftkomposition: Kopfnote: Bergamotte, Grapefruit, grüne Noten, Mandarine, maritime Noten, Tangerine, Zitrone Herznote: Gewürznelke, Maiglöckchen, Passionsfrucht, Rose, roter Pfeffer, Wacholderbeere Basisnote: Amber, Eichenmoos, Patchouli, weißer Moschus, Zedernholz Mehr von Linari     Zum Manufakturporträt

  • Isabey L´ Ambre de Carthage

    Isabey L´ Ambre de Carthage

    Die Duftkomposition: Kopfnote: Bergamotte, Essenzen von Jasmin Herznote: Zistrose, Osmanthus, Patchouli Basisnote: Ambra, Sandelholz, Olibanum, Moschus Mehr von Isabey

  • Lubin - Vetiver

    Lubin - Vetiver

    Die Duftkomposition: Kopfnote: Orange, Grapefruit, Neroli, Mandarinorange Herznote: Muskat, Pfeffer, Gewürznelken, weißer Tabak Basisnote: Virginiazeder, Vetiver, Myrrhe, Weihrauch Olibanum. Mehr von Lubin     Parfumeur: Lucien Ferrero

  • Jacques Fath - Green Water

    Jacques Fath - Green Water

    Die Duftkomposition: Kopfnote: Zitrone, Neroli, Bergamotte, Mandarine, Orange Herznote: Basilikum, Estragon, Minze, Gewürznelke, Kümmel Basisnote: Vetiver, Eichenmoos, graues Ambra, Moschus Mehr von Jacques Fath     Parfumeur: Cécile Zarokian  

  1. Offenheit

Lassen Sie sich auf die ästhetische Erfahrung ein, die Sie mit jedem Parfum machen und entschlüsseln Sie die darin verborgenen Eigenschaften. Mit den Worten von Hugo von St. Viktor gesagt: „Lerne alles. Später wirst du erkennen, dass nichts überflüssig gewesen ist.“

Jetzt stellt sich nur noch die Frage: welche Geschichte soll Ihr Lieblingsduft erzählen?

Author: Jasmin Winter

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